Moderne Pferdezahnpflege

Moderne Pferdezahnpflege setzt neben den Handinstrumenten elektrisch betriebene Spezialgeräte ein. Mit einem besonderen Satz von Raspeln können alle Backenzähne gleichermaßen gut erreicht und behandelt werden. Für eine umfassende Behandlung muss das Pferd in der Regel sediert werden. Dafür sollte nur das effektivste und sicherste Mittel benutzt werden. Die Behandlungsprozeduren variieren mit dem Alter und den spezifischen Problemen des Pferdes. 

Fohlen:

Angeborene Abnormitäten wie „Karpfengebiss“ (Überbiss) und „Hechtgebiss“ (Unterbiss) können nur bis zum Alter von 6 Monaten in gut ausgestatteten Kliniken durch chirurgische Maßnahmen behandelt werden. Sie müssen also entsprechend früh diagnostiziert werden. Später können diese Zustände zwar nicht mehr verändert werden, aber gerade solche Pferde brauchen dringend regelmäßige Zahnpflege. Übrigens finden sich auch schon bei Fohlen, die sonst keine gravierenden Anomalitäten aufweisen, scharfe Kanten an den Milchbackenzähnen, die abgeraspelt werden sollten. Eine frühe Zahnpflege gewöhnt das Fohlen daran, Untersuchungen seiner Maulhöhle zu tolerieren.

Junge Pferde:

Schlechte Erfahrungen in dieser Phase haben einen prägenden Einfluss auf das Pferd. Deshalb sollte man unbedingt dafür sorgen, dass das junge Pferd keine negativen Assoziationen bezüglich seines Mauls entwickelt. Schon vor dem ersten Einlegen des Gebisses sollte man sicher stellen, dass die Zähne des Pferdes in optimalem Zustand sind, so dass hierüber die Ausbildung nicht negativ beeinflusst wird. Wolfszähne haben, ähnlich wie unsere Weisheitszähne, keine Funktion, verursachen aber Irritationen, wenn sie vom Gebiss berührt werden, auch dann, wenn sie disloziert (nicht an ihrem „normalen“ Platz) oder „blind“ (nicht durch das Zahnfleisch durchgebrochen) sind. Sie sollten extrahiert werden, bevor das Pferd das Gebiss kennen lernt. Milchzähne sitzen oft so fest, dass sie die darunter liegenden bleibenden Zähne in ihrem Wachstum behindern (Beulen am Unterkiefer). Dabei kann es zu vielfältigen unangenehmen Folgen kommen, von Kaustörungen bis hin zu nach aussen durchbrechenden Zahnwurzelentzündungen. Da das Pferd von seinem dritten bis zu seinem fünften Lebensjahr 12 Schneidezähne und 12 Backenzähne wechseln muss, kommt es nicht selten vor, dass man beim gleichen Pferd mehrere Sets von so genannten „Kappen“ entfernen muss. Wie in allen anderen Altersgruppen werden die Backenzähne geraspelt und die Schneidezähne korrigiert. Bis zur Vollendung seines fünften Lebensjahres sollte das Maul des Pferdes idealerweise zwei mal jährlich untersucht und gepflegt werden. Pferdezahnmedizin hat in diesem Alter noch weit gehend den Charakter von Prophylaxe und kann das Tier davor bewahren, in späteren Jahren schwerere Probleme zu entwickeln.

Erwachsene Pferde:

Zu den häufigsten zahnmedizinischen Bedürfnissen dieser Alterskategorie zählen das Entfernen von „Haken“ und „Rampen“ auf den vordersten und hintersten Backenzähnen, das Raspeln der Kanten der Backenzähne, das Abrunden der vordersten Backenzähne („bit seat“, besonders für Leistungspferde), und das Richten der Schneidezähne. Sollte ein solches Pferd in der Vergangenheit nicht hinreichend zahnmedizinisch betreut worden sein, muss mit gravierenderen Problemen gerechnet werden, die eine kompliziertere und umfangreichere Behandlung nötig machen können – zu nennen seien hier Wellengebiss, Stufengebiss, die Folgen von Zahnlücken, Meißelzähne etc. Unter Umständen ist auch bei noch relativ jungen Pferden Parodontitis mit ihren Folgen zu finden. Nicht zu vergessen sei auch der Umstand, dass Pferde oft beträchtliche Mengen von Zahnstein entwickeln, der entfernt werden muss. Im Normalfall reicht für erwachsene Pferde ein jährlicher Rhythmus aus. 

Alte Pferde:

Bei älteren Pferden findet sich häufig – zumal wenn sie vorher nicht entsprechend zahnmedizinisch versorgt wurden – eine große Palette von Abnormitäten, wie Wellen, Stufen, Haken, Rampen, Entzündungen bzw. Beschädigungen des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparats (Parodontistis/Parodontose), gebrochene, faulige oder lockere Zähne, sowie das Fehlen von einzelnen Zähnen. Ein oft auch für Laien deutlich sichtbares Problem besteht bei alten Pferden in der Regel in überlangen Schneidezähnen, die aufgrund jahrelanger Vernachlässigung meistens auch mehr oder weniger starke Abweichungen in ihrer Okklusionslinie aufweisen. Alle diese Zustände können den Kauvorgang und damit die Verdauung erheblich beeinträchtigen. Kolik, Abmagerung und sogar ein verfrühter natürlicher Tod können die Folge sein, wenn die Zähne nicht behandelt werden.